Sophie Scholl als Vorbild

Die Lebenshilfe Gießen wählte 1998 bei der Gründung ihrer Schule Sophie Scholl als Namenspatronin. Hintergrund ist der Wunsch, die Erinnerung an Sophie Scholl wach zu halten und damit ein Zeichen zu setzen für Selbstvertretung und Zivilcourage. Die Giessener Sophie-Scholl-Schule zeigt sich in der Praxis als stolze Namensträgerin und nutzt in ihrem Schulleben die „weiße Rose“ immer wieder symbolhaft. Warum?

Sophie Scholl wuchs in einer kinderreichen Familie mit christlich-liberalen Werthaltungen auf. Sie las gern und viel. Zunächst geblendet und vereinnahmt durch das von den Nationalsozialisten missbrauchte Gemeinschaftsideal trat sie dem Bund Deutscher Mädel (BDM) bei, erkannte jedoch zunehmend den Missbrauch ihrer Ideale: ein würdevolles, jeden Menschen respektierendes Lebens war mit der Ideologie der Nationalsozialisten nicht vereinbar. 

Als Studentin traf sie auf andere junge Leute, die sie in ihrer Ablehnung der Nationalsozialisten bestärkten. Sophie Scholl schloss sich der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ an und beteiligte sich an der Herstellung und Verbreitung von Flugblättern, die die politische Situation in Deutschland analysierten und u.a. den Sturz des NS-Regimes forderten. Am 18.2.1943 wurden Sophie und Hans Scholl bei einer Flugblattaktion in der Münchener Universität entdeckt und verhaftet. In dem tagelangen Verhör versuchte sie konsequent, ihre Freunde zu schützen. Am 22.2.1943 wurde sie wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt; das Urteil wurde am selben Tag vollstreckt.

Sophie Scholl wurde nicht als Widerstandskämpferin geboren, sondern wuchs in einem bürgerlichen Elternhaus auf, in dem sich Erziehung an universellen Werten wie Freiheit, Menschlichkeit und Gerechtigkeit orientierte. Die Förderung von Sophies Interessen und Vorlieben für Literatur und Philosophie waren eine gute Grundlage für selbständige Reflexion, eigene Zielformulierung und wertschätzendes Miteinander. 

Dass Sophie Scholl hier Position bezogen und (trotz der großen Gefahr, in die sie sich dadurch begab) im Sinne von Zivilcourage aufklärerisch gehandelt hat, dient uns heute in den Sophie-Scholl-Schulen als Vorbild. 

Sophie Scholl schrieb: „Beweist durch die Tat, dass ihr anders denkt!“ – und so ist es uns eine Verpflichtung, in den Sophie-Scholl-Schulen 

  • für Inklusion zu sorgen, Bildung und Gemeinschaft also für alle Kinder unabhängig von Behinderung oder Nicht-Behinderung, vom Geschlecht oder des sozialen Hintergrundes zugänglich zu machen,
  • im täglichen Schulleben Heterogenität anzuerkennen und spürbar eine Kultur der gegenseitigen Anerkennung und Wertschätzung zu etablieren, 
  • die Persönlichkeiten der Schulkinder zu stärken und
  • dafür Sorge zu tragen, dass Sozialerziehung und Demokratie-Lernen garantierte Lerninhalte für alle Schülerinnen und Schülern werden.
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